Venezuela - Krise und Hoffnung

Die Not ist groß, nicht erst seit Corona. Doch es gibt Hoffnungszeichen, unsere Schwestern aus Barquisimeto berichten davon.

Sr. Yira verteilt Lebensmittel an eine Familie

Zwei Jungen bringen ihre kleine Aufgaben vom Vormittag

Liebevoll gestaltete Dinge kommen dabei heraus

Eine kleine Mahlzeit am Nachmittag - täglich kommen 30 Kinder aus der Nachbarschaft

Venezuela war schon vor Auftreten des Corona-Virus schwer von Krisen betroffen, politisch, wirtschaftlich, sozial. Nun sind die Menschen am Rand ihrer Kräfte und viele auch von Hunger bedroht. Die Kosten für Lebensmitel sind enorm.

Sr. Maigualida Riera schreibt uns aus Barquisimeto:

"Dieses Virus hat unsere ohnehin schon komplexe soziale und wirtschaftliche Situation noch komplizierter gemacht. Es trifft uns inmitten einer Realität mit einem schlechten Gesundheitssystem, in der alle öffentlichen Dienstleistungen zusammengebrochen sind (Wasser, Strom, Gas). Es kommt inmitten einer MEGA-HYPER-Inflation, die nicht aufgehört hat, sondern sich im Gegenteil mit diesem Virus noch beschleunigt hat. Sie hat unsere große Verwundbarkeit und Zerbrechlichkeit als Mensch und als Land offenbart."

Doch die Menschen verlieren in dieser Situation nicht die Hoffnung:

"Wir sind ein Land, das kulturell immer das Leben gefeiert hat, das sich widersetzt, um diesem Virus ein Ende zu bereiten. Wir beginnen, einen Hauch von Freude, von Rebellion, von Solidarität und Präsenz zu spüren... Plötzlich hört man wieder Musik in den Häusern, von denen, die sich widersetzen zu sterben oder die Freude zu verlieren, die uns charakterisiert.

Wir spüren die Rebellion der jungen Menschen und der Kinder, die widerstehen, sich von diesem Virus ihre Energien und Träume nehmen zu lassen. Und wir spüren die Hoffnung in den Tausenden von Missionaren, Laien und Ordensleuten, die weiterhin nach Wegen suchen, den Bedürftigsten und Schutzlosesten zu helfen und sich um sie zu kümmern, ihnen zu essen und zu trinken zu geben, ihnen Worte der Ermutigung zu geben."

Auch unsere Schwestern sind Teil dieser Hoffnung. In Barquisimeto betreiben sie normalerweise eine Suppenküche, die "Bethany Soup Kitchen". Da jedoch im Moment Gas und Lebensmittel fehlen, verteilen sie gezielt das Vorhandene an besonders bedürftige Familien.

Seit zwei Wochen haben sie sich eine neue Möglichkeit ausgedacht, Kindern gleichzeitig eine Beschäftigung und eine Mahlzeit zu geben. Kinder zwischen zwei und 13 Jahren können vormittags kommen und erhalten eine kleine Aufgabe, z.B. "Gestalte etwas schönes mit deinen Händen!". Nachmittags kommen sie mit ihrem Ergebnis wieder und bekommen eine kleine Mahlzeit. Sr. Maigualida schreibt dazu:

"Es ist wunderbar, zu sehen, was dabei herauskam! Kinder, die sonst oft aggressiv sind, haben so viel Behutsamkeit und Schönheit in ihre Kunst gelegt..."

Es braucht einen langen Atem, täglich neu das Notwendige zu tun. Sr. Maigualida beschreibt, wo ihre Quelle der Hoffnung ist:

"Es ist an der Zeit, zwischen dem, was notwendig ist, und dem, was nicht notwendig ist, zu wählen. Es ist an der Zeit, uns von Gott ziehen zu lassen und von seinem Geist gedrängt zu werden, um das Neue zu feiern, das entsteht, denn heute entsteht etwas Neues in unserer Gemeinschaft, in unserer Nachbarschaft, in unseren Häusern, in unserer Kirche."

 

 

In Venezuela leben sieben Missionsärztliche Schwestern - in Caracas, Barquisimeto und in El Nula, einem kleinen Ort nahe der Grenze zu Kolumbien. Gemeinsam mit fünf Assoziierten Mitgliedern leben sie ihre Antwort auf die Nöte der Zeit.