Anlässlich der 28. UN-Klimakonferenz, die am 30. November 2023 in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) begonnen hat, veröffentlichen der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Dr. Irme Stetter-Karp, die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, Eva Maria Welskop-Deffaa, und der Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK), Bruder Andreas Murk OFMConv, folgende gemeinsame Erklärung:
Als Gemeinschaft unterstützen wir den dringenden Appell (hier im Wortlaut):
Die diesjährige UN-Klimakonferenz in Dubai (COP28) findet in schweren Zeiten statt. Nicht
nur Kriege und Konflikte erschweren die internationale Zusammenarbeit. Naturkatastrophen
und Temperaturrekorde führen uns weltweit vor Augen, dass in den letzten Jahrzehnten viel
zu wenig getan wurde. Welche zusätzlichen Anstrengungen zum Schutz von Klima und
Umwelt nötig wären, legen zahlreiche wissenschaftliche Studien dar. Die Dringlichkeit des
Handelns bekräftigt auch Papst Franziskus durch sein Apostolisches Schreiben Laudate
Deum (LD) und seine mögliche Teilnahme an der UN-Klimakonferenz. Wir müssen und
können jetzt handeln, denn „niemand rettet sich allein“. (LD 19)
Dabei sind drei Themen von besonderer Wichtigkeit:
Ein erstes hat Papst Franziskus benannt, indem er die UN-Klimakonferenzen auffordert,
„verbindliche Formen der Energiewende“ zu beschließen, „die drei Merkmale aufweisen
sollten: dass sie effizient sind, dass sie verpflichtend sind und dass sie leicht überwacht werden
können“ (LD 59). Diese Forderung des Papstes knüpft an die COP28 an, die dieses Jahr eine
erste Bestandsaufnahme der weltweiten Maßnahmen zum Schutz von Klima und Umwelt
vorlegen soll.
Dieser „Global Stocktake“, wie er im Pariser Klimaschutzabkommen 2015
festgehalten worden ist, muss endlich Konsequenzen nach sich ziehen. Bislang klafft bei der
Emissionsreduktion eine große Lücke zwischen Zielsetzung und Umsetzung. Dabei sind wir
alle in der Pflicht, die Schöpfung zu bewahren und unseren Planeten zu schützen. Die Natur
darf nicht einfach als Mittel für unseren Wohlstand missbraucht werden. Letztlich sägen wir an
dem Ast, auf dem wir selbst sitzen, wenn wir Natur und Klima bedenkenlos zerstören. Damit
alle Menschen jetzt und in Zukunft selbstbestimmt leben können, brauchen wir intakte
Ökosysteme. Diese können allein in internationaler Zusammenarbeit und Solidarität erhalten
und – wo nötig und möglich – wiederhergestellt werden. Dafür müssen wir endlich den
Ausstieg aus allen fossilen Energieträgern wirksam angehen und die Beendigung ihrer
Subventionierung verpflichtend beschließen.
Zweitens wurde auf der Klimakonferenz 2021 in Glasgow beschlossen, die finanziellen Mittel
zur Anpassung an den Klimawandel bis 2025 gegenüber 2019 zu verdoppeln. Dies ist bisher
nicht nur nicht umgesetzt worden, sondern die Industriestaaten bleiben weit hinter den
Erwartungen zurück. Der jährliche Anpassungsbedarf der Entwicklungsländer wird laut dem
Adaptation Gap Report von 2022 auf 160–340 Milliarden US-Dollar bis 2030 geschätzt. Die
Anpassungskosten überfordern dabei bereits jetzt einige Länder. Klimagerechtigkeit bedeutet,
im Sinne des Verursacherprinzips jene zu unterstützen, die selbst am wenigsten zum
weltweiten CO2-Anstieg beigetragen haben, aber am meisten unter den Folgen leiden.
Hierzu gehören nicht nur die Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel,
sondern auch der Fonds für klima- und umweltbedingte Schäden und Verluste („Loss and
Damage“). Er wurde auf der COP27 in Scharm el-Scheich 2022 beschlossen, aber noch fehlt
ihm jede Konkretisierung. Es muss unter Mitwirkung aller Akteure geklärt werden, wer in
welchen Fällen mit Mitteln aus dem Fonds unterstützt wird und wer für dessen finanzielle
Ausgestaltung verantwortlich ist.
Drittens hat der erste Klimagipfel auf dem afrikanischen Kontinent im September 2023 die
Bedeutung gemeinsamen Handelns noch einmal untermauert. Der Schutz des Klimas kann
nur gelingen, wenn alle Länder weltweit gleichberechtigt in ihren Kompetenzen anerkannt und
in die Lage versetzt werden, ihren Teil beizutragen.
In der Klima- und Energiepolitik haben afrikanische Länder ein großes Potenzial, zum Vorbild und zu einem wichtigen Dreh- und
Angelpunkt zu werden. Die wirtschaftlich starken Staaten dieser Erde müssen ihrer
Verantwortung gerecht werden und diese Länder tatkräftig unterstützen, zum Beispiel durch
die Ausweitung der „Just Energy Transition Partnerships“.
Alle Menschen guten Willens sind aufgefordert, ihre Verantwortung wahrzunehmen.
Das globale Gemeinwohl muss jetzt unsere oberste Priorität sein!
